22. Erinnerungstag im deutschen Fußball -
Dezember 2025 / Januar 2026
Stadiondurchsage: Demokratie verteidigen –
Lernen aus der Geschichte des Fußballs
Alljährlich veröffentlicht die Initiative im deutschen Fußball "NIE wieder anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau einen Aufruf zur Stadiondurchsage. Diese kann und soll
auch bei anderen Gelegenheiten, beispielsweise bei Besprechungen oder Tagungen" verlesen werden.
Unten angefügt ist die Chronologie der "Gleichschaltung des deutschen Sports". Markant ist die nachstehend übernommene Stadiondurchsage, die bei Sportveranstaltungen und sonstigen Ereignissen vorgelesen werden soll.
Stadiondurchsage *)
"Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Rund um diesen Tag erinnert
die Fußballfamilie an die Opfer des Nationalsozialismus. Das NS-Regime nutzte den Sport zur Steigerung von Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit, zur Propaganda und sogar als Mittel der Gewalt in Konzentrationslagern.
Die Olympischen Spiele 1936 dienten der Machtdemonstration. Auch der Fußball unterwarf sich dem
NS-System: Jüdische Spieler wurden ausgeschlossen, Sportverbände gleichgeschaltet, Widerstand kam fast
nur aus Arbeiter*innenvereinen. Viele Funktionär*innen blieben nach 1945 im Amt, was eine Aufarbeitung
lange verhinderte. Bis heute hält sich das Narrativ vom „unpolitischen Sport“, obwohl die Geschichte bewiesen hat, dass Sport und Fußball immer Teil ihrer politischen Umgebung sind. Gerade deshalb müssen sie sich gegen demokratiefeindliche Einflüsse positionieren. Fußball hat die Reichweite und Verantwortung, demokratische Werte zu verteidigen.
Die Worte des Shoah-Überlebenden Walter Frankenstein erinnern uns:
„Demokratie muss jeden Tag neu
erkämpft werden,
besonders in der jetzigen Zeit.“
Die Initiative !Nie Wieder, bestehend aus Fangruppen, Fanprojekten, antirassistischen Bündnissen, Amateur-
und Profivereinen, der DFL und des DFB, sowie zahlreichen Personen und Institutionen aus der
Zivilgesellschaft,
organisiert seit über 20 Jahren ,,den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“, an den Spieltagen um den 27. Januar. *)
Kernpunkte der Kampagne sind das mitfühlende Erinnern an das unendliche Leid, das Millionen Menschen in der NS-Zeit erfahren mussten, mit besonderen Blick auf die preisgegebenen Mitglieder der Fußballfamilie,
sowie die unbedingte Forderung, alles heute zu tun, „dass Auschwitz nie mehr sein!“ Darüber hinaus versteht sich die
Kampagne als historischen und politischen Lern- und Aktionsort, wo sich Menschen, die den Fußball
lieben, generationsübergreifend, mit klugen und kreativen Aktionen im Stadion und in der Zivilgesellschaft für
ein demokratisches, den Menschenrechten verpflichtetes Gemeinwesen, engagieren.
www.niewieder."
*) Hinweis für die Amateurvereine: Da die Amateurvereine anders als die Profivereine zu der Zeit spielfrei haben, kann und soll der Erinnerungstag durchaus bereits im Dezember oder in der Zeit bis zum Spielbeginn durchgeführt werden, beispielsweise auch bei Besprechungen, Tagungen usw. . Maßgeblich ist, dass die Botschaft in der Gesellschaft ankommt.
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Anmerkung und Textquelle "Stadiondurchsage" und "Gleichschaltung des deutschen Sports" : Der Sprecher des Gräfenberger Sportbündnisses Ludwig K. Haas vertritt das Gräfenberger Sportbündnis und somit auch Amateurvereine in der Initiative NIE WIEDER ERINNERUNGSTAG IM DEUTSCHEN FUSSBALL seit weit 15 Jahren.
Die Dokumente wurden wörtlich von der Vorlage der Initiative NIE WIEDER übernommen.
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"Gleichschaltung des deutschen Sports - eine kurze Chronologie
Die Gleichschaltung des deutschen Sports - eine kurze Chronologie
30 Januar 1933
Reichspräsident Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
27. Februar 1933
Die Hitler-Regierung nimmt den Reichstagsbrand zum Anlass, zahlreiche linke Oppositionelle
zu verhaften. Mit der „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“
(„Reichstagsbrandverordnung“) werden die wichtigsten Grundrechte der Weimarer
Verfassung außer Kraft gesetzt.
28./29. Februar 1933
Die „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (kurz: KG bzw. Rotsport) wird zerschlagen,
ihre Büros besetzt und beschlagnahmt, zahlreiche leitende Funktionäre verhaftet. Beim
kommunistisch orientierten Rotsport waren etwa 200.000 Sportlerinnen und Sportler aktiv.
21. März 1933
Der bürgerliche Dachverband des Sports, der Deutschen Reichsausschuss für
Leibesübungen (DRA), gibt eine erste Ergebenheitsadresse an die neue Reichsregierung ab
und verspricht u.a. Bemühungen „zur Wahrung deutscher Jugendkraft, Stärkung nationaler
Gesinnung, zur Erziehung eines wehrhaften Geschlechts“.
22. März 1933
Kurt Landauer, der jüdische Präsident des amtierenden Fußballmeisters FC Bayern
München, legt sein Amt nieder.
24. März 1933
Die „Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege“ (ZA), der sozialdemokratisch
orientierte Dachverband für Arbeitersport, bemüht sich vergeblich um eine Integration in den
bürgerlichen DRA. Die ZA vertritt u.a. den Arbeiter Turn- und Sportbund (ATSB), den
Arbeiter-Radfahrbund „Solidarität“ und den Arbeiter-Athletenbund.
Anfang April 1933
Walther Bensemann, Gründer und Herausgeber des „Kicker“, geht ins schweizerische Exil.
Der überzeugte Kosmopolit stammt aus einer jüdischen Familie.
8./9. April 1933
Der Hauptausschuss der Deutschen Turnerschaft beschließt einstimmig die Einführung eines
„Arierparagraphen“, der Menschen jüdischer H
9. April 1933
Die führenden Vereine Süddeutschlands, darunter der FC Bayern, TSV 1860 München, 1.FC
Nürnberg, 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt, sprechen sich in einer gemeinsamen
Erklärung für die „Entfernung der Juden aus den Sportvereinen“ aus.
19. April 1933
Der DFB-Vorstand veröffentlicht im „Kicker“ eine Erklärung: Er halte „Angehörige der
jüdischen Rasse, ebenso auch Personen, die sich in der marxistischen Bewegung
herausgestellt haben, in führerden Stellungen der Landesverbände und Vereine nicht für
tragbar“.
April 1933
Der DFB legt eine Mustersatzung vor, die von beitrittswilligen Fußballern auch die Angabe
ihres Glaubens verlangt. DFB-Chef Felix Linnemann erläutert: „Die Frage der Religion ist so
auszubauen, dass die Abstammung rassenmäßig überprüft werden kann.“
20. April 1933:
Der Verband Brandenburger Ballspiele (zu dem auch Berlin gehört) schließt die jüdischen
Vereine SV Hakoah Berlin und 1900 Berlin vom Spielbetrieb aus.
Ende April erklärt der Führer des Westdeutschen Spielverbandes, Josif Klein, künftig könnten
nur noch „Deutschstämmige“ (wozu er Juden nicht zählt) am Spielbetrieb teilnehmen.
28. April 1933:
Der 1.FC Nürnberg teilt seinen jüdischen Mitgliedern mit, sie seien ab 1. Mai aus der
Mitgliederliste des Vereins gestrichen.
Ein solch förmlicher Vereinsbeschluss, jüdische Mitglieder auszuschließen, ist zwar nicht
üblich. Aber nach und nach vertreiben die Vereine ihre jüdischen Mitglieder durch
verschiedene Formen der Drangsalierung und Diskriminierung.
30. April 1933
Der ATSB wird offiziell verboten, ebenso andere der „Zentralkommission“ angeschlossene
Vereine. Auf regionaler Ebene sind oft schon zuvor zwangsweise aufgelöst worden.
24. Mai 1933
Reichssportkommissar Hans von Tschammer und Osten verkündet Grundsätze zur
„Neuordnung des Deutschen Sports“. Alle bisherigen Turn- und Sportverbände werden
aufgelöst und durch 15 Fachverbände im DRA-Nachfolger Deutscher Reichsbund für
Leibesübungen (DRL) bzw. ab 1938 in Nationalsozialistischen Reichsbund für
Leibesübungen NSRL) ersetzt. Für Verbände und Vereine gilt nun das Führerprinzip
Die bisher einflussreichen regionalen Fußballverbände werden in den folgenden Monaten
aufgelöst und durch 16 Gaue ersetzt.
25. Juli 1934
Die Turn- und Sportjugend wird in die Hitlerjugend (HJ) eingegliedert. Jedes Vereinsmitglied
zwischen 10 und 16 Jahren muss zugleich HJ-Mitglied sein. Die Vereine müssen die
Betreuung von Jugendlichen streng auf den sportlichen Sektor beschränken. Kulturelle
Veranstaltungen, Wanderungen, Heimatabende, politische Schulung und Geländesport samt
Schießübungen werden der HJ überlassen.
Januar 1936
Der Arierparagraph wird für alle Turn- und Sportvereine bindend.
Arbeitersport
Vor 1933 bildeten die Arbeitervereine einen gewichtigen Faktor im deutschen Sportleben. Sie
folgten einem internationalistischen und sozial geprägten Sportverständnis, in dem Profitum
und hedonistischer „Starrummel“ keinen Platz haben sollten.
Wie die Arbeiterbewegung selbst, war auch der Arbeitersport gespalten in eine
sozialdemokratisch geprägte sowie eine kommunistisch geprägte Richtung. Die
sozialdemokratische „Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege“ (ZK) vertrat u.a.
den Arbeiter Turn- und Sportbund (ATSB), den Arbeiter-Radfahrbund „Solidarität“ und den
Arbeiter-Athletenbund. Die meisten Vereine des Arbeiterfußballs waren im ATSB organisiert,
der eine eigene deutsche Fußballmeisterschaft sowie Länderspiele austrug. Ebenso nahm
der ATSB an den Arbeiter-Olympiaden 1925 und 1931 teil. Die Mitgliederzahl der ATSB-
Vereine betrug rund 800.000, die ZK vertrat insgesamt rund 1,3 Millionen Sporttreibende
Im kommunistisch orientierten Dachverband „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (KG
bzw. Rotsport) waren etwa 200.000 Sportlerinnen und Sportler in über 3.300 Vereinen aktiv.
Im Fußball hatte sie eigene Meisterschaften organisiert.
Sowohl der sozialdemokratische wie der kommunistisch geprägte Arbeitersport geriet nach
dem 30.1.1933 sehr schnell ins Visier der neuen Machthaber. Besonders brutal gingen die
Behörden gegen den kommunistisch orientierten Rotsport vor. Bereits in der Nacht des
Reichstagsbrandes wurden führende Rotsport-Funktionäre wie Ernst Grube oder Paul Zobel
verhaftet; beide waren KPD-Reichstagsabgeordnete. Nach Verhören und Folterungen
landeten viele von ihnen in Konzentrationslagern. Zobel kam nach einigen Wochen frei,
Grube erst bei Kriegsbeginn. Andere Opfer dieser ersten Verhaftungswelle starben wie der
Hamburger Arbeiterfußballer August Postler schon bald nach ihrer Inhaftierung an den
Folgen der Folterungen. Das Büro der Rotsport-Reichsleitung wurde ohne richterliche
Anordnung wurde am 28. Februar geschlossen und die Kampfgemeinschaft für aufgelöst
erklärt.
Bald wurde auch den in der „Zentralkommission“ zusammengeschlossenen Arbeitervereinen
und somit auch den ATSB-Vereinen die Existenzgrundlage entzogen. Sportanlagen wurden
beschlagnahmt und von der SA besetzt. Der ATSB verlor innerhalb weniger Monate sein
gesamtes Vermögen, bestehend aus 230 Turnhallen, 1.300 Sportplätzen, 20 Freibädern, 55
Bootshäusern, fünf Kreissportheimen und der Bundeszentrale in Leipzig. Von den Nazis
erbeutet wurden auch die Fahrradfabrik des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrbundes „Solidarität“
in Offenbach, 200 Hütten und Herbergen des Touristenvereins „Naturfreunde“, 1.300 Boote
des Arbeiter-Seglerbundes sowie 200 Lazarettzelte des Arbeiter-Samariterbundes. Der
Zeithistoriker Mattausch schätzte den Wert der insgesamt eingezogenen Einrichtungen,
Anlagen und Sportgeräte auf über 50 Millionen Mark.
Auch dieser Raubzug verlief keineswegs ohne Gewalt. Bei der Besetzung der Zentrale des
Radfahrbundes „Solidarität“ beispielsweise, dem mit 300.000 Mitgliedern stärksten
Arbeiterverein, wurden dessen Vorsitzender Heinrich Niemann von SA-Leuten ermordet,
andere Funktionäre inhaftiert und später ins KZ verschleppt. Mit dem Instrument der
„Schutzhaft“ verfügte die Geheime Staatspolizei über ein Privileg, das ihr ohne rechtliche
Grundlage und ohne Möglichkeit eines gerichtlichen Einspruchs jede denkbare Willkür in die
Hand gab.
Einigen wenigen Arbeitervereinen gelang es, durch Umfirmierung und Anerkennung als
neuer Verein einer Auflösung zu entgehen. Viele Mitglieder der aufgelösten Vereine
bemühten sich, Mitglied in einem „bürgerlichen“ Verein zu werden. Das war nicht so einfach.
Sie mussten ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, schriftlich versichern, dass sie in
keiner Beziehung zum Marxismus mehr stünden, und zwei Bürgen beibringen, die von dem
30.1.1933 einer nationalsozialistischen Organisation oder dem Stahlhelm angehört hatten.
In den folgenden Jahren der NS-Herrschaft waren viele der Arbeitersportlerinnen und
-sportler im Widerstand aktiv. Sie nutzten dafür – oft über alte Parteigrenzen hinweg – das
Beziehungsnetz, das sich vor 1933 im Arbeitersport herausgebildet hatte. Dafür zahlten sie
einen hohen Blutzoll; viele von ihnen landeten im KZ oder auf dem Schafott. Das
bekannteste Beispiel aus den Reihen des Arbeitersports ist Werner Seelenbinder,
mehrfacher Deutscher Meister und Olympiateilnehmer 1936 im Ringkampf, der während
seiner aktiven Sportlerlaufbahn im Berliner Arbeiterwiderstand eine wichtige Rolle spielte und
dafür im Oktober 1944 von den Nazi-Justiz zum Tode verurteilt wurde."
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Die oben eingefügte Dokumentation wurde der Mail von [email protected] vom Montag, 17. November 2026, "Erinnerungstag 2026 - Texte" wörtlich übernommen. Besten Dank an die Autoren des K-Teams der Initiative im deutschen Fußball NIE WIEDER . Herzlichen Dank für die hervorragende und umfassende Dokumentation der historischen Entwicklung. Die Ausarbeitung ist es wert, dass sie veröffentlicht und zur Kenntnis genommen wird.
